Last Update:
  16.08.2010

 © 2008
Mathieu Schibli

Matchbericht | Herren 1 GF

Canes - Tafers / Seedorf

Resultat: Canes - Tafers 6:5 (2:4)

Resultat des 2. Spiels: Canes - Seedorf 11:2 (5:1)


Die zwei Gesichter der Canes


Vor zwei Wochen zeigten die Canes eine feine Leistung und distanzierten in einem Klassespiel den Play-Offs-Aspiranten Kappelen vorzeitig, nur um eine Stunde später mit einer katastrophalen Nicht-Leistung gegen Blumenstein 8:10 zu tauchen und damit den Oberländern zwei Punkte gegen den Abstieg zu schenken.

Auch deshalb steckt nun Tafers mitten im Abstiegskampf. Die Päägle sind nicht mehr das Spitzenteam von einst, doch in heutigen Direktduell sah es so aus, als wäre es auch mit den Canes nicht mehr weit her und als würden hier gleich zwei Altmeisterteams gegen den Abstieg spielen. Mal abgesehen davon, dass ein Team, dass sich gegen den Abstieg wehrt, Emotionen zeigen müsste. Davon war aber bei den Bernern nichts zu spüren. Folgerichtig blieben sie farb- und chancenlos. 2:4 nach 20 Minuten, es drohte das zweite Debakel in Serie. Immerhin folgte eine Steigerung. Wahrscheinlich weil sich das Team nicht vorwerfen lassen wollte, ohne Kusi Schwab nicht gewinnen zu können, hängte es sich nach dem Tee zumindest kämpferisch voll rein und wendet das Blatt. Mit dem hauchdünnen 6:5 Sieg sicherten sich die Berner den Platz an der Tabellenspitze.

Dennoch war nach dem ersten Spiel niemand zufrieden, und Trainer Reto Luginbühl sprach Klartext: "Wenn wir so weiter spielen, werden wir zwar die Play-Offs erreichen, dort aber pomadig und selbstgefällig ausscheiden wie in den letzten Jahren der SCB gegen Fribourg und Zug. Ich will endlich wieder Emotionen sehen, gegen Seedorf erwarte ich nicht einen Sieg, sondern einen Kantersieg!".

Die Rede wirkte. Seedorf hatte den Canes in den letzten Jahren manche grosse Schlacht geliefert und meist am Schluss sehr unglücklich verloren. Oft sagten die Seeländer danach zu Recht: "Heute wäre es möglich gewesen". Diesmal allerdings erübrigten sich solche Gedanken. Unter der magistralen Leitung von Markus Schwab spielten die Canes Seedorf in Grund und Boden.

Markus Schwab? Müsste der nicht nach einer wilden Attacke auf eine kleine Scheidsrichterin lebenslänglich gesperrt sein? Nur eine Spielsperren, morgens um neun gegen den Drittletzten, gegen den er wohl ohnehin höchstens eine Halbzeit gespielt hätte? Hat das Juristen-Heer wieder gewirkt und Renato Orlando seinen Einfluss geltend gemacht?

Wie auch immer, Schwab spielte, und er spielte gut. Und weil sich auch alle anderen steigerten, gab es schon zur Pause keine Fragen mehr bezüglich des Ausgangs der Partie. Kontinuierlich erhöhten die Schwarzen des Score auf 5:1. Und weil Reto Luginbühl in der Pause durchgab, dass er diesmal kein Nachlassen dulde, zogen die Schwarzen das Ding durch. 11:2 nach 40 Minuten in einem Derby, das sonst immer bis zu letzten Sekunde spannend ist, das ist grosses Kino, oder nicht?. Luginbühl stellte leicht besänftigt fest: "Das war genügend."

Die Canes tun gut daran, die Ansprüche hoch zu setzen. Die Play-Offs werden sie aller Voraussicht nach Erreichen, gegen die mutmasslichen Gegner ULA und Gossau werden sie aber das Sonntagsgesicht zeigen müssen, um den letzten verbleibenden Titel zu verteidigen und zumindest das Double aus Meister und Seniorenmeister zu schaffen...




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